Nautilus

Der Französische Autor Jules Verne schrieb in der zweiten Hälfte des 19.JH eine Serie von Abenteuerromanen. Die bekanntesten Werke „In 80 Tagen um die Welt“, „ 20.000 Meilen unter dem Meer“ und „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ beschreiben den fantastischen Optimismus im Umgang mit neuen Technologien zu Zeiten der Industrialisierung. Die zu der Zeit oft verpönten Werke schaffen eine Dramaturgie zwischen Natur und dem vom Menschen Geschaffenen. 

Der experimentelle Master wird sich in diesem Semester mit der Übersetzung des Spannungsverhältnisses zwischen Natur und Kultur in Architektur befassen. Es wird angestrebt das Potential dieser Dynamik vielschichtig zu analysieren und räumlich umzusetzen, sei es der Unterschlupf vor Naturgewalten, zugleich aber auch das Erleben dieser. Ganzheitliche Konzepte der Nachhaltigkeit sollen hierbei Berücksichtigung finden.

Die architektonisch-räumliche Studie wird auf Rügen an der Ostsee stattfinden. Die dort unmittelbar vorhandenen Naturgewalten (Winde, Wellen, Gezeiten) machen den Standort besonders geeignet. 
Das Grundstück für die Bauaufgabe befindet sich an den Kreidefelsen „Königsstuhl“ im Nationalpark Aasmund 7 km nördlich von Sassnitz. Der Bauplatz kann darüber hinaus frei gewählt werden, der Eingriff kann im Wald, am oder im Fels, auf oder im Meer unternommen werden. Teil der Aufgabe ist es, die Standorte miteinander zu vergleichen, ihre Möglichkeiten und Einschränkungen grafisch aufzuarbeiten, um daraus ein Konzept mit einer architektonischen Haltung zum Umgang mit der Natur zu entwickeln.

LAGE:

Unser Entwurf befindet sich im Nordosten der Insel Rügen auf der Halbinsel Jasmund. Im Osten erstreckt sich dort der Nationalpark Jasmund, welcher vor allem aufgrund seiner Kreidefelsen international bekannt ist. Positioniert haben wir unseren Entwurf mitten im Epizentrum des hiesigen Prozesses dem Zerfall des hochporösen, meist weißen oder hellgrauen Kalksteins an den Wissower Klinken.

KONZEPT:

Die tödliche Faszination, die der Ort in idealer Weise anzubieten vermag, wollen wir in der Funktion eines Friedhofes aufgreifen. Und so dem Prozess des Zerfalls der Natur durch die Natur, den Zerfall der menschlichen Existenz entgegensetzen. Dabei vermag es unser Friedhof einerseits, die für ihn notwendigen Funktionen beizubehalten und andererseits einen Ort der Trauer, des ewigen Friedens zu schaffen, der sich von der Landmasse entfernt und schlussendlich den Gang der Seebestattung antritt.

FUNKTION:

So bewegt sich der obere Teil des Friedhofes, bestehend aus Verwaltung, Leichenhalle, Krematorium, Abschiedshalle und Kapelle, in Geschwindigkeit des Zerfalls des Kreidefelsens. Ermöglicht wird dies durch die Fortbewegung auf einem Schienensystem, auf dem die verschiedenen Körper in Richtung Landesinnere fortschreiten. Die einzelnen Friedhofsgebäude besitzen wiederum Kerne, die alle notwendigen Funktionen tragen und zusätzlich über Gerüste verfügen, welches an den Kernen befestigt ist. Boxen erweitern ihre Funktion. Neben den Gebäuden bewegt sich auch der trauernde Besucher oberhalb der Schienen. Unterhalb wiederum der Leichnam, Särge und die Urnen. Eine visuelle Wahrnehmung wird lediglich an bestimmten Punkten, wie beispielsweise im Krematorium und in der Leichenhalle ermöglicht. Hier wird die Schnittstelle so gelegt, dass der Trauernde den Prozess vom Aufbahren, Einkleiden und im Falle der Einäscherung der Feuerbestattung mitgehen kann, jedoch nicht muss. Die finale Zeremonie des Abschiednehmens wird im Falle des Sarges in einem Kapellenkörper und im Falle der Urne in einer kleinen Trauerhalle ermöglicht.

Autoren

  • Jonas Kneisel
  • Steffen Rebehn

Projekt

  • Masterentwurf Experimentell

Institut / Betreuung

  • für Entwerfen und Raumkomposition
  • Prof. Volker Staab
  • WiMi Julian Busch
  • WiMi Raul Kunz

Semester

  • Wintersemester
  • 2016 / 2017