Neubau eines Internats in Petzow

Historischer Kontext : Das Dorf Petzow, in seinem heutigen Erschienungsbild entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Kirche, Herrenhaus und Schloss Park bilden das Petzower Ensemble. Diese drei landschaftsprägenden Bauten definieren den architektonischen Kontext des Ortes. Durch die von Lenné geplante Sichtachse wird das von Schinkel geplante Herrenhaus mit der von Ihm geplanten Kirche optisch in verbindung gesetzt. Diese sehr kostspieligen Bauvorhaben konnten nur durch Petzows besonderen Standort finanziert werden. Zwischen einem der größten Tonabbaugebiete im Umkreis von Berlin und der Havel, als natürlichen Transportweg in die aufblühende Metropole.

„Berlin ist aus dem Kahn bebaut“

Von 1830 bis 1910 sind 23 Billionen Ziegelsteine gebrannt, mit dem Kaffenkahn verschifft und schließlich in Berlin verbaut worden. Berlin und Potsdam sind nicht nur aus dem Kahn bebaut, sondern auch aus Märkischem Boden im Ringofen gebrannt worden. Diese bis in die Gegenwart wirkende Verbindung findet Ausdruck in meinem Entwurf. Der Ringofen als Archetypus der Region, wird in seiner Funktion neu definiert zu einer Schule.

Mein Entwurf ist als experimentelle Versuchsanordnung zu verstehen, die historisch verortete Struktur eines Ringofens mit modernen pädagogischen Grundsätzen zu verbinden. Jeder der drei Körper nimmt eine Funktion auf, welche spezifische Anforderung an die Abmessung des Raumes hat. Das Wohnhaus hat eine Raumtiefe von 5 m um für eine gute Belichtung zu sorgen, die Dimensinierung der Turnhalle definiert sich aus den Abmessungen des Sportfeldes und das Schulgebäude lässt sich besonders gut durch einen mehrschaligem Aufbau strukturieren.

Außenraum : Ausgehend von der Lenné Achse fächert sich der Entwurf der Uferkante folgend auf. Die drei entstandenen Gebäude beste- hen aus dem Schulhaus, der Turnhalle und dem Internat. Erschlossen werden die Gebäude über einen Weg, der sich wie ein Band um die drei Körper legt. Um dieses Band legt sich der Schulgarten, die im bodeneingelassenen Betonstreifen umfließen die Gebäude rahmen Beete und schieben sich bis in die Schilfzone, um für Rückzugsorte zu sorgen. Der aufgespannte Raum zwischen Schulhaus und Internat definiert den Schulhof. Hier finden unterschiedlich Aktivitäten statt. Die Tartanfläche , beinhaltet unterschiedliche Bodenspiele, einen Basketballplatz, sowie eine 50m Bahn die auch als Weitsprungeinrichtung für den Sandstreifen genutzt werden kann. Dieser Streifen nimmt auch ein Beachvolleyballfeld auf, welches das Ende des Schul- hofes begrenzt und für eine Pufferzone zum Internat sorgt.

Entwurf : Programmatisch trennen sich alle Gebäude in einem massiven Untergeschoss und einem freien Obergeschoss:

Schulhaus : Im Untergeschoss gelangt man über den Eingang in das Foyer, von hier aus werden die in Cluster gruppierte Fachräume erschlossen. Diese eigenen sich vorallem für Naturwissenschaftliche experimente oder Unterricht mit besonderen Anforde- rungen wie musizieren. Die Stirnseite des Gebäudes nimmt die Bibliothek auf, durch ihre vorgelagerte Position in der Schilf- zone, entsteht ein Ruhebereich.

Im Obergeschoss befindet sich die offene Lernlandschaft. An die Stelle von des Klassenzimmers tritt ein offenens Raumkon- tinuum: Einzelarbeitsplätze, Gruppenbereiche, Besprechungsinseln, werden durch Vorhänge von einander getrennt. Verän- derung ist die Konstante im Schulalltag. Cluster und Lernlandschaft bieten neue Rausequenzen an, welche ein klassenüber- greifendes arbeiten in ganz unterschiedlichen Gruppenkofigurationen ermöglicht.

Turnhalle : Im Zentrum der Turnhalle steht das Sportfeld umgeben von einem ringförmigen Sockel. Dieser nimmt alle dienenden Funktionen auf. Zur Schulhof gelegenden Seite befindet sich die Mensa, durch den umlaufenden Arkadengang bietet dieser Ort einen hohe Aufenthaltsqualität und makiert das Zentrum des Ensembles.

Internat : Das Wohnhaus ist der Abschluss des Entwurfes und bildet einen Rückzugsort. An ihren Stirnseiten befinden sich Foyer und Ruderhaus. Zwischen ihnen reihen sich die einzelnen Schlafzimmer der Bewohnen. Erschlossen werden diese entweder von außen über den Schulgarten oder über die zum Gemeinschaftsbereich führende Wendeltreppe. Das Obergeschoss folgt dem System der Lernlandschaft. Durch flexible Vorhänge wird hier der gemeinschaftliche Bereich frei von seinen Bewohnern gestaltet.

Abschließend denke ich, dass sich die Struktur des Ringofens durch sein Wechselspiel aus Massivität und Leichtbau, der Mehrschichtigkeit und der einfachen Adaption der Größe, sehr gut als Grundstruktur für den Bau neuer Schulformen eignet. 

Autor

  • Tobias Puhlmann

Projekt

  • Freie Masterthesis

Institut / Betreuung

  • für Entwerfen und Raumkomposition
  • Prof. Volker Staab
  • WiMi Petra Wäldle
  • WiMi Bernd Ax

Semester

  • Wintersemester
  • 2018 / 2019