Sietas Re-Generator

Bereits in der ersten Häfte des 17. Jahrhunderts wurde in Deutschland die erste Werft Deutschlands gegründet, welche den Bedarf der ländlichen Region mit Produkten der Werft deckte. Fischer und Schiffer kamen vorbei, die den Seeweg für den Warentransport nutzten. Eine Werft an diesem Standort zu gründen, bot sich ohne Umwege an. Die erste bemerkenswerte Hoch – Zeit der Werft war unter Hinrich Sietas um 1880 zu verzeichnen. Im späteren Nachkriegsdeutschland folgte daraufhin ein weiteres rapides Wachstum und die Produktvielfalt erweiterte sich in der Zeit des Wirtschaftswunders bedeutend. Die Geschichte beschreibt den Werdegang eines Familienunternehmens in Norddeutschland an der Unterelbe. Das Ende des Unternehmens schreibt das Jahr 2009, in dem die Werft das erste Mal aus eigener Hand gegeben wird. Eine unabdingliche Insolvenz folgt und das Unternehmen wird an ein russischen Konzern verkauft, der durch von der EU verhängte Handelssanktione nicht die gewünschte Wirkung eines Wiederaufbaues erzielen kann. War der Abschied 2009 die richtige Entscheidung oder kann die Geschichte der Werft anders geschrieben werden ? Die Überlegung fordert eine Veränderung der Geschichte und soll ohne Zweifel eine narrative Wendung verspüren. Dennoch wird der heutige Kontext zur Umsetzung verlangt und soll präzise untersucht werden. Die Verbindung zwischen bestehend post industriell verfallenener Architektur, einer schätzungsweise funktionstüchtigen Werft und einer neu entworfenen Architektur, soll zu dem Ergebnis einer Regeneration des Standorts und der Werft führen.
Wie kann dem im kollektiven Gedächtnis gebliebenen Werftkomplex auf angemessene Weise Rechnung getragen werden? Kann ein solches Gebiet eine ähnliche Anziehungskraft entwickeln, wie einst das Alte Land mit seinen Obsthöfen selbst? Welche raumplanerischen Besonderheiten lassen sich aus der Idee einer herkömmlichen Werft ableiten? Kann durch die Umnutzung das Areal als Industriestandort bestehen bleiben und trotzdem als Regenerator für Cranz- Neuenfels fungieren. Die Aufgabe der “Sietas Regenerator” ausgehend von der Idee einer stationären, industriellen und hybriden Architektur, soll als Implantat auf dem Gebiet der Sietas Werft fungieren. Die Definition des Schwerpunkts bleibt hierbei vorerst frei und kann sich stetig zum Entwurfsprozess anpassen. Zur Erarbeitung der Thematik soll im ersten Teil eine eigenständige Idee für den Raumbereich Werft/ Researchlaboratorium entwickelt werden. Durch die vorweggenommene Analyse sollen räumliche und funktionale Potentiale gefundenen werden und im Anschluss weitergedacht, fortentwickelt oder typologisch verändert werden. Wichtige Fragen was ein solchen Werftkomplex von den typischen Werften heute unterscheidet und welche Auswirkungen dieses auf Organisation des Programms, des Funktionsablaufs und der Gestalt sind ebenfalls in der ersten Phase zu klären. Die Entwurfsaufgabe verfolgt einen explizit experimentellen Ansatz. Der Fokus muss daher zunächst auf der Entwicklung einer eigenständigen Haltung zum Thema liegen. Als Schwerpunkt gilt nicht nur die Verknüpfung verschiedener Programmbereiche, sondern auch dessen räumliche Inszenierung. Der Entwurf muss in einem Vorschlag für einen Regenerationsapparat in architektonisch Form enden.

 
 

Autor

  • Steffen Rebehn

Projekt

  • Freie Masterthesis

Institut / Betreuung

  • für Entwerfen und Raumkomposition
  • Prof. Volker Staab
  • WiMi Christian Jensen

Semester

  • Wintersemester
  • 2018 / 2019