Zeit und Raum

Die Idee des Gebäudes kann als bipolares system beschrieben werden, als eine Schnittstellenerfahrung zwischen dem Kosmos und unserer Erde.

Das Gebäude thematisiert einen Kontrast der Menschheit, be- stehend aus dem unendlichen Kosmos – den wir verstehen wol- len – über uns und der anthropozänen Welt – der wir verbunden sind – unter uns.

Daraus entwickelt sich ein Spannungsverhältnis zwischen der spirituellen, emotionalen Dimension und dem Aufklärungs- drang, dem rational Wissenschaftlichen. Dieses Verhältnis steht im ständigen Kontrast zueinander, ist aber dennoch untrennbar verbunden und prägt das gesamte Gebäude. Es beginnt mit der Wanderung auf die hochalm und endet mit der letzten halb- wertszeit des Gebäudes. Die spirituelle Dimension ist Vorbild für die Atmosphären, während sich der Aufklärungsdrang in der Forschungseinheit wieder ndet.

Die neue Art des Wanderns entwickelte sich in der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Die aufgeklärten Wande- rer wanderten durch Europa und schrieben ihre Erkenntnisse möglichst objektiv nieder, wobei besonderes Augenmerk auf den sozialen und politischen Gegebenheiten der durchwander- ten Gebiete lag. Im Gegensatz dazu entwickelte sich in der da- rau olgenden Epoche der Romantik ein anderes Bild des Wan- derns. Die Landschaft stand als spiegel des eigenen Inneren im Vordergrund. Man begab sich in der Einsamkeit auf die suche des eigenen Kosmos und der Kontemplation. Diese romantische Au assung prägt das Bild des Wanderns bis heute.

Der bereits beschriebene Weg auf die Gotzenalm ist Teil des Gebäudes und Teil der Erfahrung des Besuchers. Man durch- lebt das Wandern als eine ambivalente Erfahrung zwischen Angst, Erhabenheit, schönheit und Anstrengung. Das verdich- tete, leibliche und visuelle Erleben innerhalb der Natur, das Au- ßermenschliche, ermöglicht die Entwicklung eines Entwurfs, der mit dem spannungsverhältnis arbeitet und durch Kontraste innerhalb der Architektur unterstützt wird. In dem Gebäude drückt sich dieser Kontrast im Erleben der Vertikalität und ho- rizontalität, der Massivität und der Leichtigkeit und der Lang- und Kurzlebigkeit aus.

Die Halbwertszeit beschreibt den Zerfall eines Objekts inner- halb einer Zeitspanne. Das Thema der halbwertszeit bezieht sich auf den Zyklus des Gebäudes. Dabei unterscheiden sich die halbwertszeiten zwischen dem Jahreszyklus und dem Zyklus der sich auf die ungewisse Zukunft des Gebäudes bezieht. Der Jahreszyklus bezieht sich auf die Abhängigkeit des Gebäudes vom Menschen und dessen Bedürfnissen, die sich je nach Jah- reszeit unterscheiden, während sich der Zukunftszyklus auf die Lebensdauer des gesamten Gebäudes bezieht.

Autor

  • Dominik Keul

Projekt

  • Freie Masterthesis

Institut / Betreuung

  • für Entwerfen und Raumkomposition
  • Prof. Volker Staab

Semester

  • Sommersemester
  • 2018