CoLiving Campus

Die grundlegenden Ziele des Entwurf waren den bestehenden Teil des Campus Nord mit dem Campusbeethovenstraße zu verbinden, ein dichtes, lebendiges und vielfälltiges Quartier zu schaffen und den Bestand, der räumliche Qualitätem aufweist, angemessen einzubinden. Um die beiden Campusareale miteinander zu verbinden habe ich eine verknüpfende Struktur entwickelt, die die verschiedenen Richtungen des Entwurfsgebietes aufnimmt. Sie setzt sich zusammen aus den Fluchten der Bestandsgebäude, wichtigen Verbindungen und Bezugspunkten. Anschließend habe ich die einzelnen Linien hierarchisiert, an sich nach ihrer Wichtigkeit und in sich, wenn die Wichtigkeit räumlich begrenzt ist. Daraus haben sich die Baufelder ergeben, die den Bestand neu ordnen und ergänzen. Um das Ziel des lebendigen und vielfälltigen Quartiers zu erreichen, bin ich von den Baufeldern als nacheinander aktivierbare Zellen ausgegangen. Aktiviert werden diese durch baufeldverbindend wirkende Sondergebäude und -plätze die als Startpunkte funktionieren. Sie sollen einen Mehrwert für die Allgeinheit haben und ihren Standort attraktiv machen für andere. Dabei kann es sich um kulturelle, universiäre, sportliche,  religiöse und ähnliche Einrichtungen handeln.   Die Nutzung ist dabei entsprechend der Lage und des Charakters des Baufeldes. Entsprechend der zeitlichen Entwicklung sind das zur Ergänzung des Bestandes zum Beispiel Universiätsgebäude wie eine Bibliothek für Geistes- und Sozialwissenschaften oder ein Studierendenhaus mit freien Arbeitsplätzen. Die Startpunkte funktionieren über die Baufelder hinweg jeweils als Kombination von Gebäude und Platz. An den Baufeldkanten, an denen es keine verbindenden Startpunkte gibt, liegen verbindende öffentliche Grünräume. Aus den Startgebäuden und -plätzen ergibt sich jeweils für die entsprechenden Baufelder die interne Unterteilung und Durchwegung. Um sie weiter miteinander zu verknüpfen, werden die Wege in den anliegenden Baufeldern versetzt weiter geführt. Anschließend habe ich durch eine Skalierung der Gebäudevolumen je nach Lage Gebäude verschiedener Höhe und Tiefe gesetzt. Um privaten Freiraum auf den Gebäuden zu schaffen, habe ich die Dachflächen immer dort unterteilt, wo eine Linie der ursprünglichen Struktur senkrecht auf ein Gebäude trifft. Welcher Teil Dachterrasse oder -fläche ist, ist abhängig von der räumlichen Umgebung. Die Gebäudesetzung soll dabei jedoch eher als mögliche Variante gesehen werden. Das Ziel ist das Festlegen von Rahmenbedingungen, in denen die Bewohner und Nutzer selber agieren können. Die zeitliche Entwicklung läuft in mehreren Phasen ab. Auf die Aktivierung der Baufelder durch die Startpunkte folgt nach und nach eine Verdichtung des Areals. Dadurch und durch die verschiedenen Gebäudetiefen und -höhen auf dem Entwurfsareal soll eine unterschiedliche Dichteentwicklung erreicht werden, wodurch ausgetestet werden kann, wie dicht eine Stadt sein kann und bis wann man dies als angenehm empfindet. Desweiteren ergeben sich dadurch verschiedene Raumsituationen für die unterschiedlichen Wünsche der Nutzer. Phase 00 ist dabei der Ausgangszustand. Phase 01 ist der erste Entwurfsdurchlauf, bei dem die Startpunkte nach und nach die Baufelder aktivieren und unterteilen und die neuen Gebäude zum Teil den Bestand ersetzen. In Phase 02 kann beliebig verdichtet oder Phase 01 belassen werden. Als Phase 03 wäre eine weitere Verdichtung oder Höhenentwicklung möglich. Dadurch soll die Quartiersentwicklung immer wieder hinterfragt und überarbeitet werden. Durch die angestrebte flexible Holzbauweise kann die Verdichtung auch immer wieder rückgängig gemacht werden, so dass sich durch Austesten eine angenehme Dichte, je nach Charakter des Baufeldes, einpendeln kann. Über das Quartier gleichmäßig verteilt soll es eine Nutzungsmischung geben. Dies soll die gleichmäßige Entwicklung, das Bilden von Nachbarschaften und Identifikation der Bewohner mit der näheren Umgebung fördern und die Schaffung eines einzelnen Zentrums verhindern. Wichtige Bestandteile sind dabei jeweils eine Bestandsnutzung, frei verfügbare Arbeitsbereiche und Gemeinschaftsbereiche. Das Ziel ist eine möglichst öffentliche beziehungsweise halböffentliche Nutzung der Erdgeschosszone. Neben den öffentlichen verbindenden Freiräumen sind die Baufelder generell halböffentlich und Nutzern der entsprechenden Gebäude zugeordnet, allerdings mit öffentlicher Durchwegung. Darin liegen frei nutzbare Aktionsflächen sowie private Parzellen, Diese ergeben sich aus der ursprünglichen Struktur, sind an den Wegen angeordnet und ziehen sich punktuell verdünnend von den äußereren natürlichen Grünräumen nach Innen. Sie funktionieren nach dem Kleingartenprinzip und es können eine oder mehrere gemietet werden, je nach Nachfrage. Sie können individuell bearbeitet werden, sollen jedoch aktiv genutzt werden und einen Mehrwert generieren.

Autorin

  • Charlotte Namuth

Institut

  • für Städtebau und Entwurfsmethodik
  • Prof. Uwe Brederlau

Projekt

  • freie Bachelorarbeit
  • Johannes-Göderitz-Preis 2018

Semester

  • Sommersemester 2018