ELEKTROPOLIS

Schöneweide ist süd-östlich von Berlin direkt an der Spree gelegen. Gut an das Verkehrsnetz der Hauptstadt angeschlossen, erlebte das ehemalige Zentrum der Berliner Elektroindustrie in den letzen Jahren einen enormen Aufschwung. Nachdem zahlreiche Künstler das Gebiet mit den vielen leerstehenden Industriehallen, die das Stadtbild prägen, für sich entdecht hatten und durch die nahe gelegene Uni und niedrige Mieten auch viele junge Leute und Studenten angelockt wurden, ist das Gebiet nun auch attraktiver für Familien und Singles, die auf der Wohnungssuche abseits des angespannten Wohnungsmarktes in Berlins Mitte sind.

Doch bevor Schöneweide Teil des urbanen Berlins wird, muss noch Vieles passieren: Wohn- und Industriegebiete werden von der Spree regelrecht zerteilt, eigene urbane Strukturen sind kaum vorhanden und auch sonst entsteht eher der Eindruck einer Entlastungsstadt für das Berliner Zentrum. Es fehlt eine bezeichnende Quartiers-Identität, Leben und sozialer Austausch im öffentlichen Raum sind kaum vorhanden und noch immer ist die bauliche Struktur von brachliegenden Flächen durchbrochen. Trotz der direkten Nähe zur Spree und einzigartigem Blick auf die Industriebauten der ehemaligen Elektropolis, wurde auch das behandelte Gebiet noch nicht bebaut. Gegenüber wurde in dem Versuch, einen Zugang zum Wasser zu schaffen, eingroßzügiger Platz geschaffen, der durch fehlende direkte Anwohner und zu wenige attraktive Aufenthaltsangebote kaum genutzt wird. In diesem Gebiet wurde ein städtebaulicher Entwurf gesetzt, der Schöneweide mehr Urbanität verleiht, das Gebiet langfristig belebt und die Lebensqualität der Anwohner steigert. Um dies zu erreichen, sollten von Anfang an die unterschiedlichen Nutzergruppen vereint werden und ihnen ein gemeinsames Zentrum mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten geboten werden. Darüber hinaus schließt unser Projekt eine große Lücke im städtischen Kontext. Die beiden Flussufer von Ober- und Unterschöneweide werden so miteinander verbunden. Das Quartier wird so als eine Einheit wahrgenommen. Um dies zu allererst strukturell zu tun, haben wir an den Randgebieten des Grundstücks, die Höhen der umliegenden Häuser aufgenommen sowie verkehrsrelevante Achsen verlängert. Die Struktur in dem Projekt selbst ist so angelegt, dass die aus dem Bestand fortgeführten Achsen sich zum Wasser weiten und dort Freiräume mit Wasserblick bilden, die von „fingerartigen“ Blöcken eingefasst werden.

Am Ende eines jeden Fingers ist ein Solitär gesetzt, der das Gebiet in Richtung Wasser auffängt, zur anderen Uferseite eine Skyline ausbildet und ein Entrée schafft. Der Höhenverlauf der Gebäude treppt sich durch das gesamte Gebiet nach Süden hin ab, wo die Gebäude dann wieder die Höhe des Bestands aufnehmen. Durch dieses Abtreppen haben nicht nur maximal viele Wohnungen direkten Blick auf das Wasser sondern es haben auch viel mehr Wohnungen direkte Belichtung aus südlicher Richtung, da sie sich nicht gegenseitig verschatten. Das gesamte Gebiet soll verkehrsberuhgt sein, weshalb die Hauptachse und einzig wirklich befahrbare Straße des Gebiets in sich verkippt ist und deshalb stark entschleunigt wird. Die Freiräume werden mittels verschiedener Gestaltungsmotive wie Einkaufen, Grünraum, Atelierwohnen und weitere bespielt, bilden aber durch ihre markante Struktur eine Einheit. Am Ende einiger Freiräume ist das Wasser ein wenig in das Gebiet eingerückt worden, um die Nähe zum Wasser und die Alleinstellung der Solitäre zu betonen.

Autoren

  • Clara Albert
  • Leon Kremer

Projekt

  • Städtebauliches Projekt
  • ELEKTROPOLIS

Institut

  • für Städtebau und Entwurfsmethodik
  • Prof. Uwe Brederlau

Semester

  • Wintersemester
  • 2017 / 2018